PRESSEMITTEILUNG

15.09.2019

Aus einem Freiwilligen Sozialen Jahr in Namibia wird HoopKind: Häfler Familie unterstützt mit Wandkalender Hilfsprojekt für Kinder im Armenviertel von Windhuk

Im Frühjahr dieses Jahres besuchte eine Familie aus Friedrichshafen-Ailingen ihre Tochter in Windhuk, Namibia, die dort in der Havana Soup Kitchen, einer Vorschule mit angeschlossener Suppenküche, ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert hat. In der Havana Soup Kitchen, die sich im Armenviertel Windhuks befindet, erhalten drei- bis sechsjährige Kinder Unterricht in englischer Sprache und zwei warme Mahlzeiten.

Das dort Erlebte hat bei der Familie den Wunsch geweckt, die Havana Soup Kitchen und weitere Projekte in diesem Armenviertel nachhaltig zu unterstützen. Dazu hat sie die Initiative HoopKind gestartet. Hoop ist Afrikaans und bedeutet Hoffnung.

Erstes Projekt von HoopKind ist der Verkauf eines A3-Wandkalenders 2020 mit 13 ausdrucksstarken Porträtfotos von Kindern aus der Suppenküche, dessen gesamter Erlös über den gemeinnützigen Verein Pallium der Havana Soup Kitchen zugutekommt: für den Kauf von Nahrungsmitteln, für die Übernahme der Kosten für medizinische Behandlungen der Kinder und für ein Programm, bei dem notleidende Familien im Umfeld der Suppenküche vor allem mit Nahrungsmitteln, Winterkleidung und Winterdecken oder bei Renovierungsmaßnahmen an den oft sehr dürftigen Wellblech­behausungen unterstützt werden. Gefördert werden darüber hinaus aber auch Maßnahmen zur Gesundheits- und Hygieneerziehung.

Nachfolgend schildert die Familie ihre Eindrücke beim Besuch der Suppenküche.

Schon die Fahrt zur Suppenküche lässt uns in eine bislang fremde Welt eintauchen. Häuser aus Stein werden bald von Wellblechhütten ohne Strom- und Wasseranschluss abgelöst. Je mehr wir uns Havana, dem Armenviertel Windhuks, nähern, umso mehr Menschen sind auf und neben den Straßen unterwegs, die jetzt nur noch aus einem fest gefahrenen Gemisch aus Sand und Schotter bestehen. Mit selbst gemalten, großen Buchstaben auf schief stehenden Außenwänden werden die darin angebotenen Dienstleistungen angepriesen. Von Internet, einem Kopierladen, einer Fundstelle für „lost documents“ (verlorene Dokumente) bis zum Friseur, vieles ist zu haben. Rechts und links des Weges herrscht geschäftiges Treiben. In Einkaufswägen, wie sie in Deutschland aus Supermärkten bekannt sind, und halbierten Blechfässern wird Fleisch gegrillt. Lediglich Plastikplanen trennen die Waren vom staubigen Boden: Gemüse und rohes Fleisch werden in der Hitze neben kleinen Chipstüten, Softgetränken und Kosmetikartikeln angeboten. Vor uns fährt ein Mann auf einem Fahrrad, in der einen Hand hält er die soeben erworbenen Hühner an ihren Kehlen fest. Nach der Wellblechhütte, auf der „Copies“ (Kopien) steht, biegen wir in eine winzige und holprige Schotterstraße ab, vorbei an einem großen Müllhügel, auf dem Plastiktüten, Tierreste und sonstiger Unrat liegt. Ein kleiner Junge sitzt darin und verrichtet sein Geschäft. Nur vereinzelt sehen wir bei den Hütten kleinere, etwa ein Quadratmeter große Wellblechverschläge, die wohl als Toilette dienen.

Dass wir bald die Suppenküche erreichen, davon zeugen schon die Rufe der Kinder. „Teacher is coming“ (Die Lehrer kommen) ertönt es im Sprechgesang hinter einem Zaun. Einige Kinder rennen bereits auf uns zu, als sie unser Auto sehen. Ehe wir richtig aussteigen können, hat jeder von uns Kinder auf dem Arm, an Beinen und Händen. Frieda, die Leiterin der Suppenküche, ist noch nicht da, aber die Köchin Memme Eunike, die bereits Wasser von der zentralen Ausgabestelle geholt hat. Zwei jeweils rund fünf Liter fassende Eimer, die sie täglich nacheinander auf dem Kopf tragend zur Suppenküche bringt. Das muss für den Durst der Kinder, zum Kochen, Händewaschen, Zähneputzen und Spülen heute reichen. Wasser ist in dem von Dürre geplagten Namibia ein kostbares und teures Gut. Memme Eunike sieht nicht mehr gut. Sie strahlt aber eine Autorität aus, die selbst die wildesten der rund 40 Kinder augenblicklich ruhig werden lässt, sobald sie aus der Tür des Innenraums tritt und sie mit ihrem Blick fixiert. Mittlerweile ist Frieda mit ihrem roten Pritschenwagen vorgefahren. Auf der Ladefläche befinden sich die von ihr gekauften Essensvorräte. Viele Kinderhände beeilen sich, diese Schätze zur Köchin zu tragen. So oft es geht sind auch Früchte dabei, aber natürlich auch Süßigkeiten.

Seit fünf Jahren wird Frieda in der von ihr initiierten Suppenküche durch junge Menschen unterstützt, die in diesem gemeinnützigen Projekt ihren Freiwilligendienst leisten. Frieda hat selbst vier Kinder im Alter von 10 Jahren bis Mitte 20. Einen Jungen, dessen alleinerziehende Mutter bei einem Autounfall ums Leben kam, hat sie adoptiert, ein Mädchen hat sie auch bereits als Säugling bei sich aufgenommen und groß gezogen.

Die Kinder haben uns Fremde sofort in ihr Herz geschlossen – und wir sie. Sie sind stolz auf das Wenige, das sie uns zeigen können: ein Motiv auf ihrem T-Shirt, ein zusammengebauter Turm aus Plastikbausteinen, ein kleiner Eimer. Mit „teacher look“ (Lehrer, schau mal) halten Sie uns ihre Errungenschaften vor das Gesicht, andere präsentieren uns ihre Turnkünste auf dem kleinen Klettergerüst im hinteren Bereich der Suppenküche.

Das mit Stacheldraht umzäunte Areal der Suppenküche inklusive Innenraum misst nur rund 100 Quadratmeter. Bei rund  40 Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren führt allein die räumliche Enge zu Konflikten, neben dem ständigen Gerangel um das doch knappe Spielzeug, wenn Spielzeit ist. Doch Frieda schafft es immer wieder, Frieden zu stiften und Wege zu zeigen, Streit ohne Gewalt beizulegen. Englischsprachige Reime und Kinderlieder, Liedvorschläge der Kinder oder auch das gemeinsame kurze Gebet vor der Essensausgabe sorgen für die nötige Ruhe. Sie selbst strahlt eine ansteckende Gelassenheit aus und zeigt jedem Kind, dass es etwas Besonderes ist.

Wie wahr dies ist, wird uns bewusst, je mehr wir uns mit den Kindern beschäftigen. Ihnen allen gemeinsam ist aber das Bedürfnis nach menschlicher Nähe. Schnell merken wir, dass es viel zu anstrengend wäre, allen Wünschen, auf dem Arm getragen zu werden, nachzugeben, zumal viele Kinder keine weiteren Kinder neben sich auf unserem Arm oder Schoß dulden und eine Art „exklusiver Nähe“ wünschen.

So einzigartig jedes Kind ist, so verschieden ist auch ihre ganz persönliche Geschichte, die dazu geführt hat, dass Frieda es in die Suppenküche aufgenommen hat. Kinder, deren Eltern gestorben sind oder die bei Großeltern oder sonstigen Bewohnern im Armenviertel „abgegeben“ wurden, finden bei Frieda offene Türen, zwei in der Regel warme Essen, Vorschulunterricht auch in englischer Sprache und eine große Portion Liebe. In der Regel ist es aber die schlichte Armut in den Familien, die mehreren Geschwisterkindern einen Besuch der Suppenküche ermöglicht.

So traurig viele Geschichten sind, die wir von Frieda erzählt bekommen, so bewundernswert sind Frieda und diese Kinder, die uns in kaputter Kleidung, schmutzigen Händen und Füßen und in der Regel laufenden Nasen ihr einzigartiges Lachen und Nähe geschenkt haben.

Weitere Informationen

HoopKind (www.hoopkind.de) arbeitet mit dem gemeinnützigen Verein Pallium – Forschung und Hilfe für soziale Projekte e.V. (http://pallium-ev.com) in Gießen zusammen. Somit ist sichergestellt, dass jeder gespendete Betrag den Menschen in Havana zugutekommt. Wer die Havana Soup Kitchen unterstützen möchte, kann neben Spenden entweder eine Patenschaft übernehmen oder den DIN-A3-Wandkalender unter www.hoopkind.de oder in Friedrichshafen bei „mut – kostbares aus nah und fern“ (Möttelistr. 5) erwerben. Informationen zu Patenschaften oder Spenden erhalten Sie unter info@hoopkind.de.